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Neues Konzept für Arbeiten, Leben und Wohnen im ländlichen Raum

Ist ein Co-Working Space im Landkreis Peine denkbar?

Zu den Aufgaben einer Wirtschaftsförderung gehört es die Wirtschaft zu beobachten, Veränderungen zu analysieren und neue Trends zu entdecken. Der Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahren gewandelt: im Landkreis ist die Arbeitslosenquote auf einem geringen Niveau und Fachkräfte werden gesucht. Wir haben nach wie vor eine hohe Auspendlerquote, das heißt mehr als 30.000 Arbeitskräfte pendeln täglich in Richtung Braunschweig, Salzgitter, Wolfsburg und Hannover. Genauso ziehen die Städte die Kaufkraft ab. Die Wirtschaftsförderung des Landkreises Peine, die wito gmbh, hat deshalb in Kooperation mit der HAWK Göttingen, eine Abschlussarbeit des Masterstudiengangs Wirtschaftsförderung und Regionalmanagement betreut. Zielstellung war es die Potenziale eines Co-Working Spaces im ländlichen Raum herauszuarbeiten und eine Handlungsempfehlung für den ländlichen Raum rund um Peine zu verfassen.

Co-Working kommt aus dem englischen und bedeutet, kollaborativ arbeiten, zusammenarbeiten. Bei Co-Working handelt es sich um temporäre Büro- und Arbeitsgemeinschaften. Sie bieten Menschen einen Platz zum Arbeiten, welche ihre Tätigkeiten ortsungebunden durchführen können. Die meisten dieser Tätigkeiten wurden aufgrund der Digitalisierung möglich und der Laptop ist das wichtigste Arbeitsutensil des Co-Working Space Nutzers. Co-Working Spaces sind in den Städten entstanden und bisher ein urbanes Phänomen geblieben. Sie gelten durch ihren Fokus auf ein kreatives Arbeitsumfeld als besonders Entrepreneur freundlich. Viele Start-Ups aus der Kultur- und Kreativwirtschaft wurden in Co-Working Spaces gegründet. In den letzten Jahren werden zunehmend auch Co-Working Spaces im ländlichen Raum gegründet. Es wird versucht, dieses urbane Phänomen in den ländlichen Raum zu integrieren.

Im Rahmen der Masterarbeit wurden Betreiber von Co-Working Spaces im ländlichen Raum aus ganz Deutschland befragt, um eine Handlungsempfehlung über die Stärken und Schwächen sowie Chancen und Risiken dieser Arbeitsform im ländlichen Raum, sprich im Landkreis Peine, aufzuzeigen. Frederik Künne, der die Masterarbeit verfasst hat, betont das die gut funktionierenden Co-Working Spaces immer ein Ort des Wissensaustausches und der Kommunikation sind. Als interdisziplinärer Arbeitsort bieten sie vielen unterschiedlichen Nutzern Möglichkeiten zum Austausch und zur Netzwerkarbeit. Auf dem Land sind solche Co-Working Spaces erfolgreich, welche über eine breite Basis verfügen und von Kulturvereinen oder Kommunen mitgetragen werden. Ohne eine engagierte Gruppe von Menschen entsteht keine „Community“ wie die Co-Working Space Nutzer ihre temporäre Arbeitsgemeinschaft nennen.  Die Co-Working Spaces auf dem Land sollen auch Pendler ansprechen, um der Verkehrsproblematik entgegenzuwirken. Daher müssen sie auch mit dem ÖPNV gut zu erreichen sein. Im Landkreis Peine sind daher vor allem die Orte mit einem Bahnanschluss im Fokus eines potentiellen Standortes. Die Co-Working Spaces können als Entwicklungsinstrument für den ländlichen Raum dienen, um durch die Digitalisierung „Arbeit auf das Dorf zurückzuholen“, gleichzeitig soll die Kaufkraft der Nutzer in der Region gehalten werden. Neben den vielen positiven Effekten, die bei den Befragungen zu tragen kamen, gibt es auch eine Kehrseite der Medaille, die wenigsten Co-Working Spaces arbeiten rentabel. Es ist kein Konzept mit dem man unbedingt Geld verdienen kann. Nur rund ein Drittel der Co-Working Spaces sind rentabel. Das liegt vor allem an den niedrigen Preisen für die Nutzer. Diese dürfen nicht zu hoch sein, sonst kommt keiner, schließlich ist die Alternative das kostenlose Home-Office.  Das Geld verdienen die Co-Working Spaces über Gastronomie oder Events, die in den Räumlichkeiten abgehalten werden. Oft werden sie als zweites oder drittes Standbein von Unternehmern eröffnet, die in ihren Immobilien noch Platz haben und auf Synergieeffekte durch einen angeschlossen Co-Working Space hoffen.

Madlen Richter, Marketing-Managerin der wito gmbh, sieht Möglichkeiten für einen Co-Working Ansatz in der Stadt Peine. In der Innenstadt stehen viele Geschäfte leer, da braucht es nicht zwingend eine neue Immobilie. Ein Muss-Kriterium ist eine gute Anbindung ans Internet, die Erreichbarkeit und ein Konzept, dass Unterstützer findet. Denkbar wären zusätzliche Benefits für die Nutzer des Co-Workings, wie z.B. der Austausch mit Unternehmern oder Wirtschaftspaten, Infoveranstaltungen zu Wirtschaftstrends, gemeinsame Projekte u.a. in der Digitalisierung, gemeinsame Nutzung von Besprechungs- oder Workshopräumen, Equipment was geteilt wird aber auch eine Kinderbetreuung oder ein kultureller Treffpunkt. Vor zwei Jahren hatte die wito im Starterhof in Ilsede Büros angeboten, die bezugsfertig eingerichtet und ausgestattet waren – innerhalb von 1 Monat waren 4 Büros vergriffen.
Es gibt sicherlich Möglichkeiten die Innenstadt zu beleben, das Verkehrsaufkommen zu minimieren und die Wirtschaftskraft anzukurbeln, jedoch brauchen wir dazu innovative Ideen und Konzepte und mutige Unterstützer, die diesen Konzepten aufgeschlossen sind und etwas Neues wagen möchten.

Kontakt

Haben Sie Interesse an einem ein Co-Working Space im Landkreis Peine? Dann melden Sie sich bitte bei:

Madlen Richter
Tel.: +49 (0)5172 94926 - 14
m.richter@wito-gmbh.de

Wirtschafts- und Tourismusförderung Landkreis Peine GmbH (wito gmbh) | Ilseder Hütte 10 | 31241 Ilsede | Tel.: 0 51 72 / 94 92 600 | Fax: 0 51 72 / 9492 601

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